
Das letzte echte Solitude-Rennen liegt mehr als sechs Jahrzehnte zurück. 1965 wurde der Rennbetrieb auf der Naturrennstrecke bei Leonberg eingestellt, weil der kurvenreiche Waldkurs mit seinen fehlenden Auslaufzonen und den dicht herangerückten Zuschauermassen als zu gefährlich galt. Verschwunden ist die Faszination damit aber nicht. Unter dem Namen Solitude Revival lebt das Erbe der Strecke bis heute weiter, und genau auf den alten Landstraßen, auf denen einst Jim Clark, Dan Gurney und Mike Hailwood unterwegs waren.
Die Wiederbelebung seit 1999
Die moderne Wiederbelebung begann 1999. Seit 2008 wird das Solitude Revival auf der originalen alten Rennstrecke ausgetragen, und zwar im zweijährlichen Rhythmus. Träger ist der 2001 gegründete Verein Solitude Revival e.V. mit rund 160 Mitgliedern. Zu den prominenten Gründungs- und Fördermitgliedern zählten ehemalige Rennfahrer wie Hans Herrmann, Herbert Linge, Eberhard Mahle und Paul Ernst Strähle. Diese Verbindung zu echten Zeitzeugen gibt dem Event ein Gewicht, das ein reines Oldtimer-Treffen sonst kaum erreicht.
Gefeiert wird die Streckenführung der Jahre 1935 bis 1965. Das ist eine schmale Landstraße mit kurvigen Passagen rund um Glemseck und das Glemstal nahe Leonberg, die im Alltag eine ganz normale öffentliche Straße ist, der Solitudering, und nur für das Event gesperrt wird. Genau dieser Charakter macht den Reiz aus: Hier rollt keine sterile Kunstpiste, sondern eine Strecke, auf der Geschichte geschrieben wurde.
Was die Strecke groß gemacht hat
Wer das Revival besucht, spürt schnell, warum die Solitude einen so großen Namen hat. In den 1950er-Jahren lockten die Rennen bis zu nahezu einer halben Million Zuschauer an. Regelmäßig traten Werksteams von Mercedes-Benz, Porsche und BMW an, dazu die Weltklasse ihrer Zeit. Die Liste der Namen, die hier fuhren, liest sich wie ein Auszug aus der Motorsportgeschichte:
- Dan Gurney, der 1962 auf einem Porsche 804 zum Doppelsieg vor Jo Bonnier fuhr
- Jim Clark, der 1964 das letzte Formel-1-Rennen im Lotus 33 gewann und 1963 mit 3:49,1 Minuten die schnellste F1-Runde setzte
- John Surtees und Mike Hailwood, die als Motorrad-Asse auf MV Agusta triumphierten
- Jack Brabham, Innes Ireland und Wolfgang Graf Berghe von Trips als weitere Formel-Sieger
- Geoff Duke und Jim Redman, die im Motorrad-Sport mehrfach gewannen
Das Revival 2024 und der Ausfall 2026
Die bislang letzte Ausgabe fand am 22. und 23. Juni 2024 statt. 425 Fahrzeuge nahmen teil: 85 Renn-Motorräder, 30 Renngespanne, 170 Rennwagen und 140 Fahrzeuge des Corso Classico, gestartet wurde am Glemseck in Leonberg. Porsche Heritage und das Porsche Museum schickten sieben Sportwagen, darunter einen 550 Spyder von 1954 und einen 356 B 2000 GS Carrera. Am Steuer und vor Ort waren Legenden wie Walter Röhrl, Marc Lieb und Richard Lietz für Porsche sowie Norbert Haug, Bernd Schneider, Karl Wendlinger und Jochen Mass für Mercedes.
Eine Besonderheit ist die Nähe zwischen Publikum und Fahrzeugen. Besucher kommen ohne Absperrungen ins Fahrerlager und treffen dort auf die Renn-Legenden. Kinder unter 16 Jahren haben freien Eintritt, reguläre Tickets gibt es im Vorverkauf ab 26 Euro.
2026 fällt das Solitude Revival allerdings aus. Trotz intensiver Bemühungen ließ sich kein für alle Beteiligten passender Termin finden, und das Umfeld für solche Veranstaltungen ist derzeit besonders schwierig. Die nächste Ausgabe ist für 2027 geplant, mit Tendenz zum Spätsommer. Die genaue Termin-Bekanntgabe wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet. Wer den Geist der Rennstrecke der Legenden erleben möchte, muss sich also noch etwas gedulden.